Dein Leitfaden für die artgerechte Haltung von Lemmingen

Lemminge sind mittlerweile als Haustier sehr beliebt. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet haben die kleinen Nager in der Mongolei bis hin über China und weitere Länder. Sie besiedeln dort die Steppengebiete und gelten in vielen Ländern als Schädling. Heute werden Lemminge gerne in geeigneten Gehegen als Haustier gehalten, da sie nicht nur niedlich sind, sondern viel Spaß beim Beobachten bringen.

Generell sind die Tiere nicht sonderlich schwer zu halten. Wichtig für eine artgerechte Haltung ist das passende Gehege und natürlich die richtige Pflege.

Die 3 wichtigsten Informationen rund um die Lemminge

  • Für eine artgerechte Haltung solltest du bei deinen Lemmingen darauf achten, dass du ein geeignetes Gehege mit vielen Schlaf- und Spielmöglichkeiten zusammenstellst. Auslauf brauchen deine Tiere nicht direkt, es kommt vielmehr auf die Bindung und die Persönlichkeit deines Lemmings an.
  • Lemminge werden in der Regel zwischen 1,5 bis 2,5 Jahre alt.
  • Lemminge sind keineswegs Kuscheltiere. Natürlich kannst du mit der Zeit für eine Bindung zwischen dir und deinem Tier sorgen. Anfangs wird sich der Nager jedoch erst einmal zurückziehen.

Wie teuer ist ein Lemming eigentlich?

Die Kosten für das Tier an sich sind nicht sonderlich hoch. Du bekommst einen Lemming bereits für 10 bis 20 Euro. Am besten informierst du dich jedoch im angrenzenden Tierheim und fragst dort einfach mal nach, ob derzeit Lemminge vermitteln werden. Auch wenn die Nager erst seit kurzem als Haustier beliebt sind, könntest du dort mit etwas Glück dein neues Haustier finden.

Neben den Kosten für das Tier an sich solltest du jedoch auf die allgemeinen Anschaffungskosten achten. Dazu gehört beispielsweise ein Aquarium, welches als Gehege dient und die Käfigeinrichtung. Die Anschaffungskosten insgesamt liegen bei etwa 120 bis 140 Euro, je nachdem wie du dein Gehege ausstatten möchtest.

Neben den einmaligen Anschaffungskosten kommen die laufenden Kosten für die Haltung deiner Lemminge dazu. Futter, Einstreu, Chinchilla Sand und Co belaufen sich nochmals auf etwa 16 Euro monatlich. Außerdem darfst du nicht vergessen dir ein Geldpolster für eventuelle Tierarztbehandlungen bereitzuhalten. Es kann immer mal sein, dass dein Lemming zum Arzt muss.

Der Umzug in das neue zu Hause

Am besten hast du vor dem Einzug deiner Lemminge das Gehege bereits fertig gestellt. Am besten ist es, wenn du etwas Einstreu aus dem alten zu Hause mit nimmst, damit sich dein Nager nicht ganz neu in seinem Gehege fühlt. Du kannst die Transportbox einfach in das neue Gehege stellen und warten, bis der Lemming die neue Umgebung allein erkundet. Außerdem solltest du am Anfang nur ein Nest und ein Haus anbieten. Besonders bei größeren Gruppen von Lemmingen ist das sehr wichtig, damit sich nicht von Anfang an Reviere bilden. Sollten sich deine Lemminge streiten, schaue das du die Einrichtung wieder minimierst oder veränderst. Schließlich müssen sich deine Tiere erst einmal in ihrem neuen Gehege wohlfühlen und zurecht finden.

Sinnvoll ist es allerdings bereits ein Laufrad anzubieten. Dieses dienst schließlich dem Stressabbau der Tiere. Es kann jedoch zu stärkeren Revierkämpfen kommen. Sollten deine Lemminge zu Zweit bei dir einziehen stelle am besten gleich zwei Laufräder bereit, damit es nicht zu Problemen und Streitereien kommt.

Die Eingewöhnungsphase

Sobald sich deine Lemminge eingelebt haben, kannst du auch dein Gehege komplett nach deinen eigenen Wünschen und natürlich artgerecht einrichten. Die Tiere können nun damit beginnen sich langsam kennenzulernen. Am besten sprichst du auch häufig mit deinen Lemmingen, damit sie sich an deine Stimme gewöhnen und sich nicht sofort erschrecken, wenn du ein Wort sagst. Versuche sie am besten auch mit einem bisschen Frischfutter anzulocken, damit sie dir aus der Hand fressen. Du wirst sehen, dass dies hilft, deine Lemminge handzahm zu bekommen.

Das passende Gehege für deine Lemminge

Deine Lemminge sollten ein großes Gehege bekommen, in denen sie artgerecht gehalten werden. Aquarien eignen sich perfekt als Gehege. Achte jedoch darauf, dass du die richtige Größe einhältst. 120 x 60 x 80 cm sollte das Gehege minimal sein. Diese Größe eignet sich für etwa zwei bis vier Lemminge. Als kleinen Richtwert kannst du 0,2 m³ pro Lemming rechnen. Diese Größe solltest du in keinem Fall unterschreiten.

Eine gute Aquarienauswahl für deine Lemminge bekommst du bereits im Fachhandel geboten. Der Vorteil an einem Aquarium für deine Lemminge liegt darin, dass sich die Tiere schöne Gänge in den Boden graben können, ohne dass etwas Einstreu nach außen fällt.

Käfige mit Gitterstäben sind ungeeignet für deine Lemminge. Nicht nur, weil das Einstreu herausfallen kann, sondern auch weil die Lemminge zwischen den Stäben stecken bleiben und sich verletzen können. Vor allem Plastikwannen im Käfig können schnell angenagt werden, was ebenfalls nicht gesund für die kleinen Nager ist.

Solltest du kreativ genug sein, kannst du auch das Gehege für deine Lemminge auch selbst bauen.

Einrichtung: Das brauchst du für deine Lemminge

Das richtige Einstreu

Neben dem Gehege ist die Wahl des passenden Einstreu sehr wichtig. Buchengranulat, Mais- oder Leineneinstreu eignen sich nicht gut. Das normale Kleintiereinstreu, welches du aus dem Zoofachhandel kennst ist auch nicht gut geeignet, da es die Atemwege reizen kann.

Bei der Auswahl des Einstreu solltest du darauf achten, dass es staubarm und vor allem staubfrei ist. Frisches Heu darf ebenfalls nicht fehlen, damit deine Lemminge sich ein Nest bauen können. Dieses kannst du einfach mit unter das Einstreu mischen.

Das Einstreu sollte in etwa bis zu 25 cm hoch sein. Somit bietest du deinen Tieren ausreichend Möglichkeiten, Gänge und Höhlen zu graben.

Der Nestbau

Deine Lemminge bauen sich immer gerne Nester und Gänge. Damit du ihnen die passenden Materialien dafür bieten kannst, verwende am besten Heu oder Stroh. Du kannst aber auch unparfümierte Taschentücher oder sogar Klopapier zum Nisten anbieten. Achte dabei jedoch darauf, dass diese nicht wasser- oder reißfest sind. Am besten machst du bei diesen Tüchern vorher einen Wassertest und schaust, ob sich das Material gut verwenden lässt.

Hamsterwatte und Stoffreste sind nicht geeignet.

Der Sand

Deine Lemminge brauchen immer eine interessante Abwechslung in ihrem Gehege. Du kannst daher ein Sandbad nutzen, um ihnen eine gewisse Abwechslung zu bieten. Das Sandbad dient außerdem als Krallen- und Körperpflege. Verwende dafür nur hochwertigen Chinchilla Sand. Diesen erkennst du an den abgerundeten Sandkörnern. Bausand, Quarzsand oder Sandkassensand sind keineswegs geeignet.

Zu dem passenden Sand gehört auch eine Sandbadewanne. Ein Vogelnistkasten oder eine Glasschale mit einem gebogenen Rand reichen schon aus. Die Schale muss nur sauber sein und darf nicht sofort wegscharren.

Häuser und Schlafplätze

Zu einer guten Inneneinrichtung für deine Lemminge gehören auch Schlafplätze und Häuser. Beides sollte in keinem Fall fehlen. Das Haus sollte ein Mindestmaß von 15 x 15 x 10 cm haben. Der Durchmesser im Eingang sollte bei 3,5 cm liegen. Es werden leider nicht alle Häuser von deinen Lemmingen angenommen. Wohnhöhlen auf einer weiteren Etage helfen dabei, einen guten Schlafplatz zu bieten.

Verschiedene Steine

Einen Stein solltest du in deinem Lemming-Gehege ebenfalls mit einrichten. Diese Steine benötigen deine Lemminge, um ihre Krallen zu kürzen. Am besten eignet sich dafür ein kleiner Naturstein, der die Tiere beim Verrutschen oder Buddeln natürlich nicht verletzen kann.

Kork und Holz als Beschäftigung

Ebenso wichtig bei der Inneneinrichtung deiner Tiere sind Kork und Holz Spielzeuge. Dies können beispielsweise Baumstämme mit Löchern sein oder aber auch dicke Äste oder Treppen aus Holz. Kleine Holzbrücken als Unterschlupf oder Weidezweige zum Nagen sollten ebenfalls nicht fehlen.

Das Laufrad

Das Laufrad darf bei deinen Lemmingen keineswegs fehlen. Dieses dient, wie bereits erwähnt als Stressabbau für deine Tiere. Vorteilhaft ist auch, dass deine Lemminge ihrem Bewegungsdrang nachgehen können und diesen auch ausleben.

Bei der Wahl des passenden Laufrades solltest du darauf achten, dass dieses einen Mindestdurchmesser von mindestens 20 cm hat. Dies ist wichtig, damit sich die Wirbelsäule der Tiere nicht krümmt. 30cm Laufräder beispielsweise sind groß genug, damit auch zwei deiner Lemminge gemeinsam darin laufen können.

Wichtig ist auch, dass die Laufräder eine geschlossene Fläche haben und keine Gitter. Auch auf der Rückseite des Laufrades sollte alles geschlossen sein, damit sich die Tiere nicht verletzen können. Im Idealfall schaust du nach einem freistehenden Laufrad aus dünnem Holz der leichtem Material.

Wassernapf

Lemminge müssen viel trinken, daher ist ein Wassernapf sehr wichtig. Diesen kannst du so platzieren, damit er nicht verschmutzt. Bei Nippeltränken ist es der Fall, dass deine Lemminge viel zu wenig Wasser aufnehmen. Wassernäpfe sind viel artgerechter und naturnäher.

Futternapf

Neben dem Wassernapf muss auch ein Futternapf her, in dem du das tägliche Trockenfutter hineingibst. Auch Frischfutter kannst du in den Napf geben. Achte darauf, dass sich dieser leicht reinigen lässt, falls es mal zu Verschmutzungen kommt.

Was fressen Lemminge eigentlich?

In freier Wildbahn fressen Lemminge hauptsächlich Grün und Wurzeln. Im Sommer legen sie sich meistens einen guten Vorrat für den Winter an. Sämereien, Gräser und Kräuter gehören in dem Fall ebenfalls mit dazu. Du kannst den Speiseplan deiner Lemminge vielseitig gestalten.

Wichtig dabei ist, dass das Grundfutter zu etwa 50 % aus Sämereien und Getreide besteht. Getrocknetes Grünfutter, wie Kräuter und Blätter gehören ebenfalls dazu. Genauso wie getrocknete Insekten, die als optimale Proteinquelle dienen. Ein gutes Trockenfutter für Lemminge besteht aus den folgenden Inhalten:

  • Sämereien (Hanf, Mohn, Chiasamen, Leinsaat)
  • Getreide (Haferflocken, Hirse, Buchweizen)
  • Früchte und Gemüse getrocknet (Rote Bete, Fenchel, Kohlrabi, Möhren
  • Kräuter getrocknet (Melisse, Petersilie, Löwenzahn)
  • Maiskörner
  • Erbsenflocken
  • Corn Flaks (ungezuckert)
  • Heu

Ab und an kannst du deinen Lemmingen auch sogenanntes Erlebnisfutter anbieten. Kolbenhirse ist beispielsweise eine sehr gute Beschäftigung für deine Tiere. Neben dieser kannst du in regelmäßigen Abständen auch Frischfutter für deine Tiere anbieten. In einem zerknüllten Papier oder in einer Pappröhre versteckt, schmeckt Salat und Co wahrscheinlich noch besser.

Einer der wichtigsten Bestandteile in der Ernährung deiner Lemminge ist das Grünfutter. Biete deinen Tieren täglich frisches Grünfutter an, welches aus Beifuß, Löwenzahn oder auch Ackerminze und Ringelblumen bestehen kann. Lemminge lieben auch die Blätter von verschiedenen Bäumen. Sogar frisches Moos kannst du deinen Nagern anbieten.
Möhrengrün, Kohlrabi Blätter und weitere Grünpflanzen erhältst du bereits im Supermarkt und sorgst dadurch für Abwechslung in der täglichen Ernährung.

Zusätzlich dazu kannst du deinen Lemmingen täglich frisches Gemüse anbieten. Am besten zwei bis drei Portionen pro Mahlzeit. Möhren, Pastinaken und Blattgemüse eignet sich perfekt zur artgerechten Ernährung. Obst solltest du eher in kleinen Mengen beziehungsweise nur zweimal die Woche füttern, da sonst der Blutzuckerspiegel zu schnell steigt.

Als letztes kommt die tierische Nahrung dazu, die deine Lemminge lieben werden. Zwei Mehlwürmer die Woche schmecken deinen Tieren garantiert. Wenn du Glück hast fressen sie sie dir auch schon aus der Hand.


Titelbild von Sander van der Wel @ flickr


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Letzte Aktualisierung am 2.08.2021 um 22:01 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Written by Jenny
Tierliebe und Jenny - gibt es überhaupt einen Satz, der nicht beide Wörter umfasst? Sie blickt durch ein familiäres Geschäft auf eine langjährige Erfahrung im Bereich der Terraristik zurück und besitzt aktuell neben einem frechen Chamäleon einen noch viel frecheren Hund. Und das ist genau perfekt so!